TL Ultralight · Tschechien
TL-96 Sting
5 Inserate verfügbar
Marktpreise
Minimum
44.000 €
Durchschnitt
51.000 €
↓ FallendMaximum
60.000 €
Baujahre 2005–2009 · 5 Inserate ausgewertet
Über die TL-96 Sting
Der TL-96 Sting ist die erste Sting-Generation und die Vollcarbon-Weiterentwicklung des TL-96 Star. Das Werk führt das Muster als TL-2000 Sting Carbon; das Flug- und Betriebshandbuch datiert von April 2001. In Deutschland wird diese Generation als TL-96 Sting geführt – deshalb tauchen in Inseraten beide Bezeichnungen und auch Mischformen wie "TL 96 Sting Carbon" auf. Wichtig: Werkshandbuch und deutsche Datenblätter nennen abweichende Werte, und die Zuordnung der Bezeichnungen ist quellenmäßig nicht eindeutig – maßgeblich ist das Kennblatt des konkreten Flugzeugs. Laut dem deutschen Vertrieb Wezel wurden von dieser Sting-Generation nahezu 500 Stück gebaut. Für den US-Markt entstand von 2004 bis 2006 zusätzlich der TL StingSport als LSA, ab 2007 folgte der Sting S3, ab 2010 der Sting S4.
Gebaut ist der Sting als zweisitziger Tiefdecker mit Rumpf in Voll-GFK-Sandwich, während Flügel und Höhenleitwerk aus Vollcarbon bestehen; der Kraftstofftank ist in den Rumpf integriert. Der als TL-96 Sting geführte Datenstand wird mit 8,50 m Spannweite, 6,40 m Rumpflänge, 10,1 m² Flügelfläche, ab 305 kg Leermasse, 472,5 kg Abflugmasse und 70 Litern Tank angegeben. Das Werkshandbuch des TL-2000 Sting Carbon nennt 8,44 m Spannweite, 5,93 m Länge, 2,30 m Höhe, 9,81 m² Flügelfläche mit einer Streckung von 7,26, 68 Liter Tank und 450 kg maximale Abflug- und Landemasse nach damaliger tschechischer UL-Zulassung. Beim einzelnen Flugzeug entscheidet immer das Kennblatt und das mitgelieferte Handbuch.
Motorisiert wird die erste Sting-Generation mit dem Rotax 912 mit 80 PS oder dem Rotax 912 S mit 100 PS. Das Werkshandbuch nennt 5,0 m/s Steigen mit dem 912 und 6,0 m/s mit dem 912 S, jeweils bei 130 km/h und 450 kg, sowie eine Dienstgipfelhöhe von 6.500 m. Die Reichweite liegt bei 740 km bei konstant 170 km/h ohne Reserve; die maximale Flugdauer gibt das Handbuch separat mit etwa 5,9 Stunden an. VNE beträgt 290 km/h; die deutsche Quelle nennt für den TL-96 Sting 260 km/h Höchst- und 240 km/h Reisegeschwindigkeit. Die Landeklappen haben zwei ausgefahrene Stellungen: 15 Grad für den Start und 60 Grad für die Landung.
Die Stärken: sehr viel Reisegeschwindigkeit für ein Flugzeug dieser Baujahre, geringes Gewicht, hohe Stückzahl und damit ein lebendiger Gebrauchtmarkt, und ein Preisniveau deutlich unter dem des aktuellen Sting S4. Zu den Leistungen liegen belastbare Handbuchwerte vor: Das Werkshandbuch nennt für 450 kg 80 km/h Überziehgeschwindigkeit ohne und 62 km/h mit Landeklappen, 125 m Startstrecke mit dem Rotax 912 beziehungsweise 117 m mit dem 912 S und 132 m Landestrecke mit Bremsen; für den in Deutschland geführten Datenstand des TL-96 Sting liegen diese Werte nicht öffentlich vor. Die Schwächen sind typisch für ein zwei Jahrzehnte altes Carbonflugzeug: Die Datenlage ist unklar, für die Leermasse des Sting Carbon verweist das Handbuch nur auf den Wägebericht, und eine 600-kg-Erhöhung gibt es für diese Generation nicht. Dazu kommen Alterungsthemen: UV-Belastung des Lacks, Zustand der Kabinenhaube, Kraftstoffsystem und Motorlaufzeit sowie ein Rettungssystem, das je nach Baujahr längst neu gepackt oder ersetzt werden muss.
Ein Sicherheitshinweis, der beide unter der Bezeichnung TL-96 geführten Muster betrifft: Am 25. Juli 2020 verunglückte bei Wesel in Deutschland ein Flugzeug der TL-96-Reihe nach einem Strukturversagen, drei Menschen starben. Welches der beiden Muster betroffen war, geht aus den geprüften Quellen nicht eindeutig hervor; maßgeblich ist der Untersuchungsbericht der BFU. Der TL-96 Sting eignet sich für Piloten, die schnell reisen wollen und dafür ein älteres Flugzeug mit gründlicher Vorkaufsuntersuchung akzeptieren – am besten durch einen Betrieb mit Faserverbunderfahrung, mit vollständiger Dokumentation aller Nachprüfungen und Lufttüchtigkeitsanweisungen. Wer aktuelle Handbücher, 600-kg-Zulassung und Werksunterstützung für das konkrete Baujahr braucht, greift besser zum Sting S4. Wer es langsamer und gutmütiger mag, ist mit einem Hochdecker wie dem TL-3000 Sirius besser beraten.
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